Suche
  • Annette Walser

Warum man Möbel lieber ohne Inhalt kaufen sollte



Als ich klein war, bin ich sehr gerne bei meiner Oma auf dem Küchensofa gesessen und habe ihren Geschichten von früher gelauscht, während sie auf dem alten Holzofen gekocht hat. Inbegriff dieser Gemütlichkeit war für mich auch ihr Küchenbuffet mit der Linoleumplatte und seinen typischen 50er Jahre Rundungen. Genau so eines wollte ich schon länger herrichten also habe ich mir entsprechende Anzeigen angesehen und auch prompt eines in der nächsten Stadt entdeckt.


Das Buffet war in einem dieser großen Wohnungsblocks abzuholen, die uns Landeier mit ihrer Größe immer wieder überfordern. Erstmal haben wir den falschen Herrn herausgeklingelt, dann hat uns der Hund des Besitzers angekläfft, der zwischenzeitlich mit dem Lift nach unten gefahren war und draußen auf uns gewartet hat, während wir im Keller wie im schlechten Film „juhu, ist hier jemand, gerufen haben“. Das gute Stück hat schon auf uns gewartet – seit die Oma vor mehr als einem Jahrzehnt verstorben ist. Der Erbe ist dann auch irgendwann aufgetaucht – allerdings ohne Schlüssel für das Oberkastl. Kein Problem meinte er, er würde uns die ganzen eingemachten Gurken- und Marmeladengläser auch schenken - öffnen ging ja nicht, wie er mit einem suffisanten Lächeln bemerkte. Prima, Buffet mit Inhalt, abgelaufen im letzten Jahrhundert.


In der Werkstatt haben wir das Schloss geknackt und die darin enthaltenen Schätze geborgen. Der Inhalt sah nicht mehr so verlockend aus, also haben wir ihn in der Toilette versenkt. Wie sich herausstellte, war die Idee nicht so toll, weil 20 Jahre alten Marmelade ein richtig fester Klumpen ist, der sich nicht auflöst. Die Kloverstopfung hatten wir dann am Abend und beim nächsten mal verzichten wir dankend auf die Beigaben. Aber das Buffet war die Arbeit wert - jetzt strahlt es wieder in einem kräftigen petrol Ton und bekommt vermutlich einen Ehrenplatz in unserem Bauwagen - wenn er fertig ist:-)

0 Ansichten